Exkursion am 23. Oktober 2022

 

… im Rahmen der Bedenkwoche „mechaye hametim“ im Gedenken an die Novemberpogrome 1938

Aktuelle Forschungsergebnisse über die jüdische Bevölkerung in der Buckligen Welt gaben den Anlass, zu einer Exkursion in diese nö Region einzuladen. In den Gemeinden Bad Erlach, Hochwolkersdorf und Wiesmath folgte die Reisegruppe den Spuren jüdischen Lebens, erkundete die Herkunft, das Alltagsleben und das Schicksal dieser religiösen Minderheit, das ihr nach 1938 widerfuhr.

Der Historiker Werner Sulzgruber führte durch Bad Erlach, wies auf jene Fabriksanlagen hin, die von der jüdischen Familie Abeles aufgebaut und später von Samuel Wolf erfolgreich weitergeführt wurde. Die Familie Hacker wiederum versorgte mit ihrem Wein- und Gemischtwarenhandel die ganze Gemeinde. In deren ehemaligen Haus ist heute das Hacker-Museum untergebracht. Brigitte Tauchner, Leiterin dieses Museums, gab anhand der Exponate Einblicke in das Alltags- und Glaubensleben dieser Familie. Tief im mosaischen Glauben verwurzelt organisierte Simon Hacker auch den Bau einer eigenen Synagoge im Ort. Bad Erlach, so Sulzgruber, „ermöglicht generell einen hervorragenden Einblick in das Netzwerk und die Machtstrukturen in der kommissarischen Verwaltung und „Arisierung“ von Industrien, die es in einer ländlichen Region nur sehr selten gibt.“

In Hochwolkersdorf war die Familie Winkler sehr gut in das Gemeindeleben integriert, erhielt auch die Konzession für ein Gastschankgewerbe. 1938 änderte sich die Situation für die siebenköpfige Familie schlagartig. Ihre Geschäfte wurden geplündert und sie mußten nach Palästina fliehen. Hochwolkersdorf kann aber auch auf ein positives geschichtsträchtiges Ereignis zurückblicken, über das Johann Hagenhofer im Gedenkraum 1945 ausführlich erzählte. Denn hier trafen der damalige Oberfeldwebel Ferdinand Käs als Vertreter der österreichischen Widerstandsbewegung 05 und Karl Renner mit den Repräsentanten der Roten Armee zusammen. Ihre Gespräche führten in dieser Gemeinde zur Konstituierung einer provisorischen Regierung und damit zum Wiedererstehen der Republik Österreich.

Abschließend erzählte der in Wiesmath lebende Lorenz Glatz über das Leben der Kaufmannsfamilien Reininger und Jaul in Wiesmath. Aus seiner eigenen Familiengeschichte konnte er Erinnerungen übernehmen, die ein Bild von den Ereignissen des Jahres 1938 geben: Beschlagnahmung des Eigentums und Flucht der im Ort lebenden Judinnen und Juden nach Haifa und auf Mauritius. 3 von den 17 in Wiesmath lebenden Juden wurden im Holocaust ermordet. Glatz konnte schließlich auch noch über Streiteren um das geraubte Eigentum in und mit der Gemeinde berichten, sowie über erfolgreiche Kontakte und Besuche zu den Verbliebenen der beiden Familien im Ausland.

 

 

 

 

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