Vortrag von ANNA DURNOVÁ
Mittwoch, 27. April, 19 Uhr
Otto-Mauer-Zentrum
Emotionale Gesellschaft und die Grenzen des Politischen: für eine politische Soziologie der Emotionen
Die Betonung der persönlichen Erfahrung und Selbstbestimmung sind ein zentrales Motiv der liberalen Demokratie. Dazu gehört auch die Betonung der Emotionen als integraler Bestandteil unserer Interaktionen und der kognitiven Wahrnehmung der Welt um uns herum. Es erscheint notwendig, auf den spezifischen Kontext zu achten, in dem Emotionen verwendet oder dargestellt werden. Emotionen formen und verändern Werte und Überzeugungen durch die Bedeutungen, die sie ihnen verleihen, zum Beispiel durch den spezifischen Ausdruck von Angst, Freude, Ärger, Stolz, Ekel oder Wut. Eine politische Soziologie der Emotionen kann eine Interpretation sichtbar machen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass ein bloßer Verweis auf Emotionen nicht unbedingt ein emanzipatorisches oder demokratisches Element enthalten muss.
Anna Durnová wurde 2021 als Professorin für Politische Soziologie an die Universität Wien berufen nachdem sie u.A. an der Karlsuniversität Prag, dem Institut d’études politiques de Paris und dem Yale University Center for Cultural Sociology, USA, geforscht hat. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählt die Soziologie der Emotionen, die gesellschaftliche Polarisierung in Krisenzeiten und die Erforschung von vulnerablen und marginalisierten Gruppen.