Vortrag vom 17. Jänner 2022
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Seit Teilhard de Chardin gilt die Evolution im allgemeinen als Schöpfungswerkzeug Gottes. Dadurch konnten die Worte der Bibel mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang gebracht werden. Sieht man jedoch genauer hin, dann erscheinen die Mechanismen der Evolution (Mutation und Selektion) ethisch nicht unproblematisch: Mutationen entstehen anscheinend zufällig – bisher konnten die Naturwissenschaften keinen richtungsweisenden Mechanismus dahinter entdecken. Es entstehen mehr Fehlschläge als Fortschritte und dadurch Leid – als Teil der „Methode“. Hier ist anscheinend Zufall der „Plan“. Auch die Selektion scheint christlichen Grundsätzen zu widersprechen, implementiert sie doch das Recht des Stärkeren. Wie sind diese Details der „Schöpfungsmethode“ mit christlichem Glauben in Einklang zu bringen? In der Heiligen Schrift gibt es bereits Hinweise auf diese Problematik – und aufgrund unseres heutigen Wissens können wir sie neu interpretieren.
Wolfgang Schreiner ist Professor für Biosimulation und Bioinformatik an der Medizinischen Universität Wien. Er steht im interdisziplinären Dialog zwischen Theologie, Naturwissenschaft und Evolutionstheorien.