Buchbesprechung mit
URSULA CERHA
Mittwoch, 14. Oktober, 19 Uhr
Otto-Mauer-Zentrum
Das Buch beschreibt 200 Jahre Leben der Familie Kign in Russland. Doch es ist mehr als eine bloße Familiengeschichte, denn in ihr spiegelt sich eine ganze Epoche des Zarenreiches wider. Es beginnt mit dem Überfall Napoleons, bei dem die Kigns ihr Gut verloren, flüchten mussten und später Gut Dedlovo erwarben. Der Krimkrieg war kaum verwunden, als Zar Alexander II mit seinem liberalen radikalen Umbau des Staates begann, den sie unterstützten: Aufhebung der Leibeigenschaft, Justiz-Verwaltungsreform, Aufbau demokratischer Strukturen, Einrichtung medizinischer Zentren. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Einführung der allgemeinen Schulpflicht. Wenig bekannt sind dabei die überragenden Leistungen der Frauen dieser Epoche oder die Rolle der Kunst. Vladimir Kign, selbst ein anerkannter Schriftseller, war mit berühmten Intellektuellen, Schauspielern, Künstlern und Malern befreundet. Zu Beginn des 20. Jhdts gelang der wirtschaftliche Anschluss an die Entwicklung im Westen. Der Staatsstreich Lenins und der folgende Bürgerkrieg zwang die Familie Kign, wie Millionen von Russen, vor Terror und Verfolgung zur Flucht, die für die Mutter der Autorin in Wien endete.
Ursula Cerha wurde in Wien geboren, wo sie auch lebt. Seit 2012 beschäftigt sie sich mit der Geschichte der russischen Familie Kign, der Familie ihrer Mutter. Von der Autorin ebenfalls erschienen, „Ewald Balser – Theater, das berührt, verführt und verändert“ (Böhlau Verlag)