Eindrücke vom geführten Stadtspaziergang am 4. Oktober 2018
Der Rundgang begann beim Dr.-Karl-Renner-Denkmal im Rathauspark (Universitätsring), das 1965 angefertigt, aber erst 2 Jahre später enthüllt wurde. Der Entwurf der Gesamtanlage stammt vom Architekten Josef Krawina, Alfred Hrdlicka gestalete den Kopf. Die Wiener konnten der Gestaltung des Denkmals nicht viel abgewinnen. Als „Der Kanzler im Vogelkäfig“ oder „schielender Idiotenschädel“ wurde er vielfach bezeichnet. Theresa Stampler lud ein, das Denkmal zu „begehen“ und auf sich wirken zu lassen. Was nur wenigen auffiel, war der leicht nach rechts Richtung Parlament gerückte schwarze Marmorblock mit dem Kopf des Staatsmannes – über die Bedeutung dieser ungewöhnlichen Anordnung nur spekuliert werden kann.
Das Denkmal der Republik auf der anderen Seite des Parlaments geht auf die Künstler Carl Wollek, Anton Hanak Franz Seifert und Marioa Petrucci zurück. Es wurde 1928 anläßlich des 10. Jahrestags der Ausrufung der Ersten Republik erbaut, 1934 verhängt und abgetragen, 1948 wieder errichtet. Zu sehen sind die Büsten des Wiener Bürgermeisters Jakob Reumann, des Gründers der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, Viktor Adler und jene des Staatssekretärs für soziale Verantwortung Ferdinand Hanusch. Zu kritisieren ist, dass mit diesen 3 Persönlichkeiten kein unmittelbarer Zusammenhang zur Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich am 12. November 1918, derer dieses Denkmal gewidmet ist, hergestellt werden kann. Viktor Adler etwa war am Tag davor verstorben, konnte die Ereignisse auf der Rampe des Parlaments also gar nicht mehr miterleben. Naheliegender wäre es den beiden Präsidenten der Provisorischen Nationalversammlung Franz Dinghofer (Deutscher Volksbund), Karl Seitz (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) ein Denkmal zu setzen, da die Ausrufung durch sie erfolgte.
Der Heldenplatz als literarisches Denkmal: Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler vom Balkon der Neuen Burg aus den versammelten Massen auf dem Heldenplatz den „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich. Der Titel des Theaterstücks Heldenplatz von Thomas Bernhard bezieht sich auf dieses Ereignis. Ebenso das berühmte Gedicht „Wien: heldenplatz“ des Wiener Lyrikers Ernst Jandl, das die Stimmung während der Hitler-Rede am Heldenplatz einzufangen versucht.
Den Abschluss des Heldenplatzes bildet das Äußere Burgtor. Heute dient es allgemein als Denkmal für Kriegsgefallene. Das Innere des Baus ist nur im Rahmen staatlicher Zeremonien zugänglich. Nachdem 2012 im Denkmal des toten Soldaten ein verstecktes NS-Pamphlet gefunden und Namen von SS-Leuten in den Totenbüchern entdeckt wurden, ließ das zuständige Bundesheer die Gedenkräume leeren.
Das Deserteursdenkmal am Ballhausplatz wurde vom ehemaligen Deserteur Richard Wadani und dem Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz angeregt und vom Künstler Olaf Nicolai 2014 errichtet. Das Denkmal stellt ein überdimensionales, liegendes X dar, ist als begehbares Monument konzipiert. Nach der Projektbeschreibung ist das X ein „Zeichen der Anonymisierung, der der Einzelne unterworfen ist und die ihn zum Zeichen in einer Liste, zum X in einem Akt werden lasse“. Andererseits sei das X auch ein „Statement selbstbewusster Setzung“. Man möge dabei an den schwarzen Bürgerrechtler Malcolm X denken. Der Sockel ist dreistufig, in dessen dritte Ebene ist die nur von oben lesbare Inschrift „all“ und „alone“ eingelassen. Sie beruht auf einem Gedicht des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay, wo bei das Wort „alone“ nur einmal – an der Kreuzung der beiden Striche − wiedergegeben ist, das Wort „all“ hingegen 32-mal. „Das Zusammenspiel von Sockel und Inschrift inszeniert die Situation des Einzelnen in und gegenüber gesellschaftlichen Ordnungs- und Machtverhältnissen.“
Das Landhaus in der Herrengasse erinnert an die März- und Oktoberrevolution 1848. Von den Ständen, die im Landhaus in der Herrengasse tagten, sollten die Petitionen an die Hofburg weitergehen. Dazu kamen Handwerker und Arbeiter. Demonstranten drangen in den Sitzungssaal ein. Es kam zum Militäreinsatz und zu einem Blutbad. Im Hungerwinter 1847/1848 traf die wirtschaftliche Not die ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen am härtesten. Auch in der Arbeiterschaft war nun die Wut auf das überkommene politische System kurz vor dem Überlaufen. Schließlich brach am 13. März 1848 die Revolution in Österreich aus. Dem Sturm auf das Ständehaus folgten Anschläge von Sozialrevolutionären gegen Läden und Fabriken in den Wiener Vorstädten.
Der Wiener Oktoberaufstand 1848 war die letzte Erhebung der österreichischen Revolution 1848. Als am 6. Oktober 1848 von Wien aus kaiserliche österreichische Truppen gegen das aufständische Ungarn ziehen sollten, versuchten die mit den Ungarn sympathisierenden Wiener Arbeiter, Studenten und meuternde Truppen den Abmarsch zu verhindern. Es kam zu Straßenkämpfen, wobei selbst im Stephansdom Blut vergossen wurde; Kriegsminister Graf Theodor von Latour wurde von der Menge gelyncht.


