Bericht der Gedenkfahrt nach Kittsee/Bgld, Rusovce und Trnava/Sk im Rahmen von mechaye hametim am 26. Oktober 2017

Den Spuren der Erinnerung einst jüdischen Lebens ging die Mechaye Hametin Gedenkfahrt des Katholischen AkademikerInnen Verbandes Wien (KAV) am Österreichischen Nationalfeiertag, dem 26. Oktober 2017, in Kittsee/Burgenland, Rusovce/Karlburg und Trnava/Tyrnau in der Slowakei nach.

Engagierte Personen halfen dem „Schiff auf der Donau“

„Ich freue mich dass die 3. Generation der jüdischen Bevölkerung den Weg wieder hierher (nach Kittsee) findet“, sagte die pensionierte Hauptschuldirektorin Irmgard Jurkovich zu den mit Autobus und PKW angereisten über 50 BesucherInnen im alten Teil des Gasthauses Leban, der „zur Erinnerung“ an die jüdischen Vorbesitzer so belassen worden war. In ihrer Jugend hatte sie „nie über den Holocaust etwas gehört“. Dank eines „hervorragenden Geschichtslehrers“ und einiger anderer Umstände begann sie im Schuljahr 1981/82 mit dem ersten größeren Projekt „Dein jüdischer Nachbar“ in Kittsee die lokale jüdische Geschichte mit SchülerInnen aufzuarbeiten.

Bereits im 17. Jhdt gab es eine jüdische Gemeinde in Kittsee, die bald zu den Fürstlich Estherházyschen „Sieben-Gemeinden“ des Burgenlandes gehörte. Sie erreichte mit 789 Personen jüdischen Glaubens 1821 den Höchststand und sank infolge der Abwanderung aus ökonomischen Gründen im Jahr 1934 auf 62 Personen. Nachdem die GESTAPO am 16. April 1938 alle Juden und Jüdinnen aus Kittsee aus ihren Betten holte und sie Monate in den Donauauen im Dreiländereck Ungarn-Tschechoslowakei-Deutsches Reich ausharrten, gelang es dem Vizepräsidenten der Orthodoxen-Israelitischen Kultusgemeinde Preßburgs, Aron Grünhut, die nötigen Reisedokumente zur Flucht zu besorgen. Wie viele die Shoah nicht überlebt haben ist nach wie vor nicht bekannt.

Aron Grünhut hat im Buch „Katastrophenzeit des slowakischen Judentums“, Selbstverlag, 1972, und der jüdische Arzt, Kommunist und Erfolgsautor Friedrich Wolf in „Das Schiff auf der Donau. Ein Drama aus der Zeit der Okkupation Österreichs durch die Nazis“ diese Ereignisse verarbeitet. Jurkovich erzählte viele Zeugnisse friedlichen Zusammenlebens aus den vergangenen Jahrhunderten, hat mit 2 Klassen den Hauptpreis für eine Woche Israel Reise und einem Besuch in Yad Vashem gewonnen und organisiert bis heute jährliche Gedenkveranstaltungen in Kittsee. Mit ihren 77 Jahren führte uns das Energiebündel auf einem Rundgang an Gedenktafeln und Wohnhäusern ehemaliger jüdischer Bürger vorbei zum jüdischen Friedhof bei der „Alten Burg“, sucht aber „vergeblich einen Nachfolger“.

Von Interkonfessioneller Gedenkstätte bis zur Galerie

In Bratislava-Stadtteil Rusovce/Karlburg erzählte der alteingesessene Jozef Mallinerits an Hand des Projekts „Interkonfessionelle Gedenkstätte“ in einer katholischen Kirche, die auf demFundament eines römischen Wehrturms mit Gräberfunden aus dem 2. und 3. Jhdt und dem Mittelalter erbaut wurde, aus seinen jahrzehntelangen Recherchen von einer eigenständigen jüdischen Gemeinde, zusammengetragenen jüdischen Grabsteinen und „den prägendsten Grundherren von Karlburg die Grafen Zichy“ – siehe Anlage Mallinerits Jozef, Die Juden in Rusovce – Folder zur Geschichte, S 4 ff.

 In dem im 4. Jhdt von Slowaken, im 13. von Deutschen und im 16. von Ungarn besiedelten Trnava/ Tyrnau, die anschließend abwechselnd hintereinander jeweils eine Periode regierten, wohnten 1930 noch 2700 jüdische BewohnerInnen, erzählte Kvetka Viskupicova bei der Stadtführung. Die nach Plänen des Wiener Architekten Jakob Gartner (1861–1921) in den 1890er Jahren im Historismus-Stil errichtete Synagoge ist seit 1978 ein geschütztes Kulturdenkmal. 1993 von einer Galerie erworben, finden hier seit 1995 Ausstellungen in zeitgenössischer Kunst statt. Die in den 1880er Jahren errichtete Orthodoxe Synagoge wurde bis in die 1950er Jahre für Gottesdienste genutzt, war anschließend Lager und ist seit 1978 ein geschütztes Kulturdenkmal. Nach ihrer Renovierung wurde in der ehemaligen Synagoge ein Café eingerichtet, wo auch Kulturveranstaltungen stattfinden. Heute gibt es in keinem der drei Orte mehr eine jüdische Gemeinde.  Auf der Rückfahrt konnten die TeilnehmerInnen ein prachtvolles Abendrot-Naturschauspiel geniessen.                          

Franz Vock

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