Bericht über die Ausstellung der iranischen Künstlerin Mitra Shahmoradi-Strohmaier vom 17. Oktober 2017

 

„Vielleicht sind die Propheten von einst die Künstler der Moderne, vielleicht sind sie in die Kunst abgewandert, weil die Hierarchie der Kirche sie nicht geduldet hat.“ meinte Otto Mauer, der große Förderer der Avantgarde im Nachkriegs-Österreich. Im Blick auf die Ausstellung „Ein fremder Gott“ ist man geneigt zu sagen, dass Religionswissenschafter und Theologen, die den interreligiösen Dialog suchen, vielleicht auch in einer Künstlerinnen wie Mitra Shahmoradi-Strohmaier zu finden sind. Vielleicht sind sie also jene Maler und Dichter, die sich gegenwärtig fragen, ob sie sich in ihrer Religion noch zu Hause fühlen oder ob ihnen ihre Religion nicht schon fremd geworden ist – und diese Frage auch für andere Religionen stellen.

Die im Iran geborene und aufgewachsene Künstlerin bringt dies durch starke Kontraste der Farbenwahl und der Formgebung zum Ausdruck. In einigen Bildern stellt sie das religiöse Symbol der menschlichen Gestalt gegenüber. Ihre Menschen sind nur schemenhaft zu erkennen und treten dabei hinter die statische Kaaba und das kantige Kreuz zurück. Sie sind stets in Bewegung aber ohne Antlitz; stets leidenschaftlich, aber verhüllt; manchmal auch leidend, aber oft verborgen. Ihre geschwungenen Konturen erinnern auch an weibliche Körper, jedenfalls immer an Menschen in ihren Sehnsüchten und in ihrer Suche nach Vertrautem aber auch nach dem Unsagbaren und dem, was jenseits der üblichen Vorstellung oder der Begrifflichkeit eines Gottes zu finden ist. Genau das verbindet Menschen über ihre religiösen Unterschiede hinweg.

Mitra Shahmoradi-Strohmaier studierte bereits in Teheran Malerei und schloß mit der Diplomarbeit über „Islamische Philosophie in Malerei und Architektur“ ab. Seit mehr als 30 Jahren lebt und arbeitet sie als zertifizierte Erwachsenenbildnerin in Wien. Die freischaffende Poetin und Kunstpädagogin hat auch Erfahrung im Management interkultureller Ausstellungsprojekte. 2013 wurde ihr der Berufstitel „Professorin“ verliehen.

Im Rahmen der Vernissage „Ein fremder Gott – Mystik in Wort und Bild“ las sie gemeinsam mit Helmut Schüller eigene lyrische Texte, die ihren Bildern auch als Kommentar dienten. Für die musikalische Einstimmung sorgten Philip Unterreiner (Gitarre) und der aus dem Irak geflohene Oudvirtuose Ahmed Shqaqi mit ihren zum Ambiente passenden orientalischen Klängen.

Die Ausstelunng kann bis 19. Dezember von Mo-Do jeweils von 10 Uhr bis 16 Uhr und am Freitag von 10 Uhr bis 13 Uhr besichtigt werden

 

Ein fremder Gott

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