Bilder der Kirchenführung vom 18. April 2016
Die „Luegerkirche“, wie sie gemeinhin genannt wird, zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten des Sezessionismus. Einflüsse der Kirche am Steinhof werden ihr gerne nachgesagt. Ihre Geschichte ist jedenfalls untrennbar mit der Entstehung des Zentralfriedhofs selbst verbunden.
Nach Karl Lueger ist die Friedhofskirche nur dem Volksmund nach benannt. Sie trägt den Namen des 1910 verstorbenen Wiener Bürgermeisters im Sinne einer Gedächtniskirche – ähnlich der Kaiserjubiläumskirche am Mexikoplatz -, und weil er dort auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Geweiht ist sie jedoch dem Heiligen Karl Borromäus.
Die Friedhofskirche, deren Bau von 1908 bis 1911 dauerte, steht aus künstlerischer Sicht zu Unrecht im Schatten der berühmten Otto-Wagner-Kirche. Entgegen der Darstellung von Friedrich Archleitner kann sie nicht von der Kirche am Steinhof beeinflußt sein. Denn der Architekt Max Hegele hat im Auftrag der Stadt Wien bereits 1899 das Konzept für dieses Gesamtkunstwerk einer Jury, der auch Otto Wagner angehörte, vorgelegt. Mit dem Bau der Kirche am Steinhof wurde allerdings erst 1904 begonnen. Es ist naheliegend, dass sich Otto Wagner von Max Hegele inspirieren hat lassen – und nicht umgekehrt.
Nähere Informationen unter www.luegerkirche.at
Karl Wagner leitete das Referat für den Einsegnungsdienst der Erzdiözese Wien und ist seit Jahrzehnten Rektor der Friedhofskirche. Er ist Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Wien für Verdienste um die Friedhofskultur.