Bischof Kapellari würdigt Karl Strobl beim Gedenkgottesdienst anläßlich seines 30. Todestages
Bei einem Gedenkgottesdienst für den vor 30 Jahren verstorbenen Wiener Hochschulseelsorger Prälat Karl Strobl hat der steirische Bischof Egon Kapellari Leben und Werk Strobls gewürdigt. Strobl starb vor 30 Jahren, am 21. August 1984. Er gehörte zur geistigen Avantgarde der katholischen Kirche in Österreich und war eine der markantesten Persönlichkeiten der Wiederaufbaugeneration. Gemeinsam mit seinem Weggefährten Msgr. Otto Mauer leistete Strobl ab der Verfolgungszeit unter dem NS-Regime Pionierarbeit für den Aufbau der katholischen Hochschulseelsorge in Österreich. Generationen von Studenten wurden von der geistigen Weite wie auch der tiefen Gläubigkeit und Kirchenverbundenheit des gebürtigen Weinviertlers geprägt.“
Bischof Kapellari feierte am Sonntagvormittag mit zahlreichen Gläubigen, von denen viele Strobl noch persönlich kannten, einen Gottesdienst in der Wallfahrtskirche Maria Bründl bei Poysdorf. „30 Jahre nach seinem Tod ist das Erbe Karl Strobls kein toter Schatz, sondern ein Ferment, das in Kirche und Gesellschaft lebendig ist, manchmal freilich verborgen, aber wirksam wie der biblische Sauerteig“, so Kapellari in seiner Predigt wörtlich und weiter: „Es kann uns Christen in einer Zeit großer Umbrüche in Gesellschaft und Kirche viel zu denken und starke Impulse geben zu einem wetterfesteren Glauben, der ebenso inspiriert ist durch den Papst Franziskus und sein aufrüttelndes Schreiben ‚Evangelii gaudium‘ wie durch den Papst emeritus Benedikt als Verkünder von ‚Deus caritas est‘.“
Karl Strobl wurde 1908 in Wilhelmsdorf bei Poysdorf als Sohn eines Weinbauern geboren. Er wurde 1931 in Wien zum Priester geweiht und 1938 zum Leiter der Studentenseelsorge in Wien berufen – eine Aufgabe, die er bis 1969 innehatte. Während des Zweiten Weltkriegs bildete er in der Peterskirche einen Kreis des geistigen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Das von Strobl entwickelte Modell der „Hochschulgemeinde“ bewährte sich nach 1945 in allen österreichischen Hochschulstädten. Strobl zählte zu den Gründern der Katholischen Hochschuljugend Österreichs, der (nicht mehr bestehenden) Zeitschrift „Wort und Wahrheit“ und des „Forums St. Stephan“, das sich das Gespräch zwischen Wissenschaft, Kunst und Kultur zu Anliegen gemacht hat. Als Erbe von Msgr. Otto Mauer gab er den entscheidenden Anstoß zur Gründung des „Otto-Mauer-Fonds“ und zur Stiftung des „Otto-Mauer-Preises“, der bedeutendsten Auszeichnung österreichischer Nachwuchskünstler.
Ein bleibendes sichtbares Erbe schuf Strobl als Hochschulseelsorger mit dem Haus in der Ebendorfer Straße („Edith-Stein-Haus“), das er in der Nachkriegszeit erworben hatte, um seine Vision eines studentischen Wohn- und Begegnungsortes zu verwirklichen. Als langjähriger geistlicher Assistent der Katholischen Aktion Österreichs prägte er auch entscheidend die Katholikentage seiner Zeit mit, insbesondere den Katholikentag 1974 (Motto: „Lasst euch mit Gott versöhnen“). Bis zu seinem Tod 1984 war Strobl zudem geistlicher Assistent des Wiener Katholischen Akademikerverbandes
Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/64309.html des Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.