Ein 6-teiliges Veranstaltungsprojekt zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren / Otto-Mauer-Zentrum / Währinger Str. 2-4 / 1090 Wien


Dienstag, 18. März, 19 Uhr
Jakob Deibl, Rolf Seyfried
Apokalyptische Motive im Werk von Karl Kraus (Lesung und Vortrag) 
Der Erste Weltkrieg bezei­ch­net einen massiven Bruch in der abend­ländi­schen Ge­schi­chte und den Verlust tradier­ter Bil­der von „Sinn“ und „Ziel“ der Geschichte. Um die­ser Zei­ten­wende eine Deutung zu ge­ben, wurde wieder auf eine theo­lo­gisch-biblische Kate­gorie zu­rückgegriffen: die Apokalyptik. Dies lässt sich beson­ders am Werk von Karl Kraus darstellen.

Jakob Deibl ist Universitäts-Assistent am Fachbereich für Theo­logi­sche Grundlagenforschung der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universität Wien
Rolf Seyfried arbeitet als Drehbuchautor, Sprecher und Lektor in Wien


ACHTUNG!!! Die Veranstaltung wurde von Mittwoch, 2. April, 19 Uhr auf Mittwoch 19. November, 19 Uhr verschoben!
Manfried Rauchensteiner
Erlösung durch den Krieg? Österreich-Ungarn am Vorabend des Ersten Weltkriegs
Es ist kaum möglich, die Stimmung zu beschreiben, die in Österreich-Ungarn am Vorabend des Ersten Weltkriegs herrschte. Es kreuzten sich Wahrnehmungen mit vorgefassten Meinungen. Man sprach vom Aufbruch in eine neue Zeit genauso wie von der Unregierbarkeit der Habsburgermonarchie. Pazifisten und Präventivkrieger suchten sich Geltung zu verschaffen. Ende Juli 1914 entschied sich Kaiser Franz Joseph für den Krieg. Der Krieg sollte die Lösung aller anstehenden Probleme bringen. So oder so!

Manfried Rauchensteiner ist Historiker, Präsident der Österreichischen Kommission für Militärgeschichte und war Direktor im Heeresgeschichtlichen Museum Wien.

 

Donnerstag, 22. Mai, 19 Uhr
Roland Innerhofer
Alle Linien münden in den Krieg: Der Epochenbruch in Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“
Robert Musil hat die Arbeit an seinem Opus magnum drei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begonnen und bis zu seinem Tod 1942 fortgesetzt. Die Absicht dieses ‚Zeitromans‘ war eine doppelte: die geistigen, sozialen und politischen Strömungen, die zur „Urkatastrophe des 20. Jhdts“ führten, und zugleich die verspielten Möglichkeiten am Vorabend des Krieges zu rekonstruieren.

Roland Innerhofer lehrt Germanistik an der Universität Wien.


Mittwoch, 11. Juni, 19 Uhr
Rainer Thurnher
Krieg der Geister: Philosophie und Erster Weltkrieg
Um ihre patriotische Gesinnung zu bekunden und dem Vaterland nach Kräften beizustehen, griffen mit Kriegsausbruch Intellektuelle und Philosophen beider Lager spontan zur Feder. In Denkschriften, Pamphleten und Abhandlungen deuteten sie den Menschen im Hinterland und an der Front die Zeichen der Zeit. Dem Blutvergießen ließen sie, um seiner Beispiellosigkeit gerecht zu werden, metaphysisch-geschichtsphilosophische Sinnzuschreibungen angedeihen. Im Vortrag wird es darum gehen, sich einen Überblick über die einzelnen Argumente und Topoi der beiderseitigen  Ideologisierung des Kriegs zu verschaffen, Differenzierungen vorzunehmen, auf die wenigen Gegenstimmen hinzuweisen und die Auswirkungen auf Politik und Philosophie nach 1918 aufzuzeigen.

Rainer Thurnher ist ao. Professor am Institut für Philosophie an der Universität Innsbruck


Dienstag, 14. Oktober, 19 Uhr
Christopher Meiller
Der Erste Weltkrieg im Spiegel jüdischer Philosophie
„Deutschland, das Mutterland der abendländischen Judenheit, … wird mit einem Siege Gerechtigkeit und Völkerfrieden in der Welt begründen“, so schreibt Hermann Cohen, Leitfigur deutsch-jüdischer Philosophie, bald nach Kriegsbeginn – und ordnet damit den Weltkrieg in umfassende geschichtsphilosophische Zusammenhänge ein. Diese und weitere maßgebliche jüdisch-philosophische Perspektiven und Deutungen des Krieges werden ausgeleuchtet und auf ihr spezifisches Profil hin befragt.

Christopher Meiller ist Universitäts-Assistent am Fachbereich für Christliche Philosophie der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universität Wien


Mittwoch, 12. November, 19 Uhr

Thomas Schulte-Umberg
„Für Gott, Kaiser und Vaterland“: Die österreichisch-ungarische Militärseelsorge im Ersten Weltkrieg

Kirche und Religion waren und blieben bis zum Ende eine der tragendene Säulen der Habsburgermonarchie. Das war auch im Krieg so. Mehrere Tausend Militärgeistliche aller Konfessionen sollten im Ersten Weltkrieg an der Front, in der Etappe und im Hinterland zur Festigung und Belebung der Kriegsmoral beitragen. Sie feierten das Messopfer in den Schützengräben, predigten den Truppen, trösteten Verwundete , versahen Sterbende und sorgten für das Begräbnis der Toten. Anhand von Bild und Textdokumenten wird für die k.u.k. Militärgeistlichkeit beschrieben, wie sie agierte und dachte, welche Entwicklungen im Verlauf des Krieges stattfanden und wie ihre Rolle gewertet wurde.

Thomas Schulte-Umberg ist Universitäts-Assistent am Institut für Historische Theologie – Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universität Wien

 


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