Gedenken alleine sei aber nicht genug, betonte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch. „An die Pogrome zu erinnern, ist zu wenig. Gerade angesichts des wachsenden Antisemitismus etwa in Frankreich, Griechenland, Ungarn oder Schweden müssen die Politiker und die Zivilgesellschaft daran erinnert werden, dass sie hier einen Auftrag haben.“ Gedenken sei gut, man müsse aber auch „im Jetzt dagegen ankämpfen“, so Deutsch.
Die Gedenkreihe ist interreligiös und findet ihren Höhepunkt am 9. November bei einem Ökumenischen Gottesdienst, dem auch der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Bünker, beiwohnen wird. Im Anschluss an den Gottesdienst ziehen die Teilnehmer in einem Schweigemarsch bis zum Mahnmal auf dem Judenplatz. Neben KAV haben auch das Kardinal König-Archiv, der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, das Katholische Bildungswerk, die Evangelische Akademie Wien oder auch die Christchurch Vienna Veranstaltungen organisiert.
Bei den von den Nationalsozialisten verharmlosend „Reichskristallnacht“ genannten Novemberpogromen vom 9. auf den 10. November 1938 wurden rund 400 Juden in NS-Deutschland ermordet oder in den Selbstmord getrieben, mehr als 1.400 Synagogen und über 7.000 jüdische Geschäfte in Brand gesteckt und zerstört. Die Pogrome wurden am 10. November fortgesetzt, insbesondere in Österreich und Wien, wo Gewalt und Terror ein besonders erschreckendes Ausmaß nahmen.
Ab dem 10. November wurden zigtausende Juden in Konzentrationslager deportiert, wo viele von ihnen ermordet wurden. Als Vorwand für die systematische Ausarbeitung und Propagierung der Pogrome nahm NS-Propagandaminister Joseph Goebbels das Attentat des 17jährigen polnisch-jüdischen Jugendlichen Herszel Grynszpan auf Ernst von Rath, einen Angehörigen der deutschen Botschaft in Paris. Die Novemberprogrome waren nicht Folge eines „spontanen Volkszorns“, sondern bildeten den Auftakt einer massenhaften und systematischen Enteignung und Entrechtung von Juden, eine Entwicklung, die letztlich in den Holocaust mündete. www.parlament.gv.at/gedenken_novemberpogrome
Aviso der Bedenkveranstaltungen des Forum Zeit und Glaube / Kath. Akademikerverband Wien:
Samstag, 26. Oktober 2013, 8 – 19 Uhr
MECHAYE HAMETIM – EXKURSION
Jüdische Spuren in Rechnitz, Szombathely / Steinamanger und Lockenhaus
nähere Infos: siehe Anhang
Montag, 11. November 2013, 18 Uhr !
MECHAYE HAMETIM – FILM
Der jüdische Kardinal: TV-Film über Jean-Marie Lustiger (arte 2012)
Johannes Paul II. ernennt Lustiger zum Bischof von Orléans. Nach einem Jahr wird dieser zum Erzbischof von Paris, später zum Kardinal und Berater des Papstes ernannt. Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln setzt sich der Erzbischof besonders mit der Beziehung von Kirche und Judentum auseinander. Nach dem Tod seines Vaters und einem Besuch in Auschwitz gerät Lustiger in eine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen seiner doppelten Identität.
Anschließend Gespräch:
Dr. Otto Friedrich, Ressortleiter Religion, Film, Medien bei der Wochenzeitung „Die Furche“ mit
Mag. Ruth Steiner, Ex-KAÖ Generalsekretärin, über die doppelte Identität als Christ/in, Jude/Jüdin