Katholischer Akademiker/innenverband Wien erinnert an die Hinrichtung der NS-Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl vor 70 Jahren.
1942/43 verfassten die Geschwister Scholl mit Freunden unter dem Deckname „Weiße Rose“ 6 Flugblätter, in denen sie zum Widerstand gegen Adolf Hitler und den Nationalsozialismus aufriefen. Beim Verteilen eines ihrer Flugblätter im Lichthof der Münchner Universität flog die Gruppe auf. Die Geschwister wurden verhaftet und am 22. Februar 1943 hingerichtet.
Das Besondere an der „Weißen Rose“ liegt darin, dass sich ein Freundeskreis junger Studierender von den nationalsozialistischen Massenbewegungen der HJ und dem Führerkult nicht blenden hat lassen. Ihr geistig hohes Niveau und ihre christlich-intellektuelle Bildung machte sie gegenüber Kriegseuphorie und Demagogie immun, aber auch zu Außenseiter. „Man muß einen harten Geist und ein weiches Herz haben“ so zitierte Sophie Scholl den französischen Philosophen Jacques Maritain des öfteren und liefert das zentrale Motiv ihrer Untergrundarbeit.
Widerstand und christliche Spiritualität
Zahlreiche Briefe der Geschwister belegen, dass die christliche Botschaft zum Kriterium ihres Denkens und Tuns wurde. In Anbetracht erfahrener Ungerechtigkeit und Unfreiheit waren beide leidenschaftliche Gottsuchende, fanden aber auch „Trost- und Kraftquellen im Beten und den Abendmahlsfeiern. So wurde Jak 1,22 „Seid Täter des Wortes, nicht Hörer allein“ zur Maxime ihres Widerstandes, eines Widerstandes der den inneren Zusammenhang von Mystik und Politik bekundet.
Der kritische Geist als Vorbild für heute und morgen
Die Erinnerung an Widerstandskämpfern wie Franz Jägerstätter, Dietrich Bonhoeffer oder eben die Geschwister Scholl hat für den Katholischen Akademikerverband nichts mit Denkmalpflege zu tun. Ihrem Protest – Zeichen geistiger Wachsamkeit gegenüber politischen Fehlentwicklungen – kommt eine bleibende Bedeutung zu. Gegenwärtig und unter demokratischen Verhältnissen ist diese Scharfsinnigkeit ebenso gefragt. Sie macht auf die Flachheit politischer Rhetorik, auf ökonomische Zwänge, unmenschliche Rechtslagen oder diskriminierende Strukturen aufmerksam.
Dieser kritische Geist mag heute oft unpopulär sein und dem mainstream nicht entsprechen. Er widersteht aber Mißständen auch in der Kirche und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen, weil ihm moralische Integrität wichtig ist.