Mehrsprachigkeit und Sprachendiversion sind konstitutiv für ein Gelingen der Europäischen Integration. 23 Sprachen sind in der EU amtlich anerkannt und etwa ebenso viele Regionalsprachen und Sprachminderheiten geben Zeugnis von der vitalen Vielfalt Europas. Migrationsbewegungen stimulieren diese Vielfalt, fordern aber auch heraus – auf politischer und kultureller Ebene ebenso wie im Alltag der Schulen und Betriebe, am Arbeitsplatz, in den Kirchen und auf öffentlichen Plätzen.
Dieser Herausforderung widmete sich das Europasymposion 2012 „EUROPÄISCH SPRECHEN – EUROPA VERSTEHEN: VOM MEHRWERT DER MEHRSPRACHIGKEIT von 4. bis 8. Mai im Prämonstratenserstift Geras. 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Polen, Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik, aus der Slowakei, Ungarn, der Ukraine, aus Rumänien, Kroatien, Slowenien und Albanien wurden Vorträge, Intensivkurse in 12 verschiedenen Sprachen und Theaterstücke zum Thema geboten.

Eva Vetter vom Fachdidaktischen Zentrums für Sprach- und Lernforschung der Universität Wien eröffnete das Symposion mit einem Vortrag über die Notwendigkeit einer europäischen Sprachenpolitik. Das Phänomen der Sprache ist auch für die Bibel und die Theologie von Interesse: In den alttestamentlichen Überlieferungen steht die Sprache als Metapher für das soziale Gefüge, für den Umgang der Menschen miteinander und für den kulturellen Lebensentwurf jedes Einzelnen. Die Religionswissenschaftlerin und Theologin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz betonte in ihrem Beitrag (vorgetragen von Rembert Schleicher aufgrund der kurzfristigen Absage der Referentin), dass die biblischen Erfahrungen mit der Mehrsprachigkeit durchaus ambivalent sind.
Im Schlussreferat ging die Journalistin Petra Herczeg auf kulturelle Aspekte der Mehrsprachigkeit ein. Sie erinnerte daran, dass Mehrsprachigkeit als „kosmopolitische“ Angelegenheit die Menschheit. Sprache an sich ist, „das bildende Organ des Gedankens“ und jede Sprache ist eine Weltansicht, die den Blick des Menschen auf die Welt erweitert und damit bereichert. Sprachen gehören zum kulturellen Erbe, das von Generation zu Generation weitergeben wird.