Filmmontag mit OTTO FRIEDRICH und CHRISTIAN RATHNER
Montag, 16. November, 19:30 Uhr (!)
VOTIVKINO, Währinger Str. 12, 1090 Wien
Die Frage, wie die Schoa und das Überleben von Juden unter der NS-Herrschaft filmisch zu thematisieren sind, wird heute auf eigene Weise virulent: Die Zeitzeugen sind fast alle tot, das, was zu dokumentieren ist, scheint weitgehend abgearbeitet. Und ein Publikum aktuell noch dafür zu interessieren ist eine Herausforderung für die Kunstform Film. Erst recht schwierig wird es bei der Zumutung, sich dem ernsten Geschehen komödiantisch nähern zu wollen, ohne die Historie zu verharmlosen. Die deutsche Regisseurin Maggie Peren wagt dies in „Der Passfälscher“, der die Geschichte von Cioma Schönhaus (1922–2015) erzählt, der als Jude zunächst u.a. als Passfälscher in Berlin überlebte und sich dann, 1943, nach einer abenteuerlichen Flucht in Uniform eines Wehrmachtssoldaten in die Schweiz durchschlug. Regisseurin Peren geht diese Geschichte nicht als Heldenepos an, sondern zeigt Cioma und seinen Freund Det als junge jüdische Männer, die in den Tag hineinleben und sich der Verfolgung fast spielerisch zu entziehen suchen. Das Leben unter diesem Regime war auch ein Leben mit heiteren bis grotesken Zügen, das Damoklesschwert der Deportation schwebte trotz allem über der Lebenslust dieser jungen Leute. Peren gelingt es, den Zwiespalt – es faustdick hinter den Ohren zu haben und dennoch an Leib und Leben bedroht zu sein – glaubhaft aufzulösen – was ganz wesentlich im Schauspiel von Louis Hofmann in der Rolle des Cioma gelingt.
Im Anschluss an den Film Gespräch über diese Art der „Vergangenheitsbewältigung“ im Film.
Regie: Maggie Peren. Mit Louis Hofmann, Jonathan Berlin, Luna Wedler. 117 Min.
Otto Friedrich ist freier Journalist
Christian Rathner ist Religionsjournalist und Dokumentarfilmer beim ORF-Fernsehen.