audio-file des Vortrags vom 16. Juni 2015
In österreichischen Kirchenkreisen muss man Paul M. Zulehner mit Sicherheit nicht vorstellen. Aber auch in Deutschland ist der seit 2008 emeritierte Wiener Pastoraltheologe und Kirchensoziologe als umtriebiger Akteur und Impulsgeber im Leben der katholischen Kirche vielfach bekannt. Jetzt hat er, fast 75-jährig, eine Autobiographie vorgelegt, die die Lektüre durchweg lohnt. Zulehner nimmt in dem Buch kein Blatt vor dem Mund, weder was seine Kirche noch was sein privates Leben anbelangt, lässt die Jahrzehnte von der unmittelbaren Nachkriegszeit in einer kinderreichen katholischen Familie über das Zweite Vatikanische Konzil (Zulehner wurde 1964 zum Priester geweiht) bis zum erhofften Neuaufbruch unter Papst FranziskusRevue passieren.
Für den Insider ist natürlich besonders Zulehners Blick auf die Irrungen und Wirrungen der katholischen Kirche in seinem Heimatland Österreich von Interesse, in die er oft an vorderster Front beratend und analysierend involviert war; durch seine Lehrtätigkeit in Passau war er auch mit diesem deutschen Bistum eng verbunden (er spricht vom „Passauer Pastoralbiotop“, 122). Darüber hinaus begleitete der begabte Netzwerker Zulehner auch die Entwicklung der katholischen Kirche in den ehemals kommunistischen Ländern (durch den zusammen mit Kardinal Franz König gegründeten Verein „Pastorales Forum“). Aber lesenswert sind auch seine ehrlichen Überlegungen dazu, wie ein dem Zölibat verpflichteter Priester mit Freundschaft und Liebe umgehen kann. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem „freigebenden Lieben“: Nur in der eigenen erlittenen Erfahrung erschließe sich nach und nach, in einem Wechselspiel von Abstieg und Aufstehen, „dass es ein gangbarer Weg sein kann, der Frieden bringt und die Liebe weiterreifen lässt“ (260). (aus Herder-Korrespondenz 68.Jahrgang (2014) )

Hans Kouba, Pastoralassistent und P.M. Zulehner


Wolfgang Kautek begrüßt die Versammelten

Hans Schelkshorn, Helmut Schüller, P.M. Zulehner