Preisverleihung am 3. März 2016 um 18 Uhr / Festsaal des Priesterseminars Linz / Harrachstraße 7, 4020 Linz
(Nähere Informationen und Anmeldung: siehe Anhang unten)
Der „Kurt Schubertpreis für interreligiöse Verständigung“ versucht die Haltung jener Persönlichkeit in Erinnerung zu halten, die in ihrer einprägsamen Klarheit als vorbildhaft gelten darf. Ihr Vermächtnis soll durch die nach ihm benannten Preisträger weiterwirken:

Schuberts leidenschaftliche Liebe zum Judentum in dessen langer Geschichte, sein politisches Engagement für eine an Religionen orientierten Gesellschaft, seine unermüdliche akademische Forschungs- und Lehrtätigkeit haben uns bei der Auswahl unserer ersten Kandidaten, Hofrat Marco Feingold (Salzburg), Altbürgermeister Alfred Stingl (Graz) und Andreas Bsteh / Clemens Thomas (Rel.-theol. Inst. St. Gabriel) geleitet. Diesmal soll Kurt Schuberts lebenslanger und unbeugsamer politischer Widerstand gegen das „gottlose System des Nationalsozialismus“ – wie er es nannte – und seine tiefe Verehrung dessen unzähliger Opfer zur Geltung kommen. Zwei Persönlichkeiten haben sich in diesem Bereich besonders verdient gemacht:
Dr.in Irmgard Aschbauer und Mag. a Ruth Steiner
Das Stiftungskomitee und die Jury des genannten „Gedächtnispreises für interreligiöse Verständigung“ sowie Vertreter der wichtigsten staatlich anerkannten Religions gemeinschaften in Österreich haben sie einstimmig für die nächste Preisverleihung auserkoren. Um die Bedeutung dieses ersten Preises für die Kategorie „interreligiöse Verständigung“ in der österreichischen Bevölkerung weithin hervorzuheben, haben wir die Verleihungsorte in die Hauptstädte ihrer Bundesländer gelegt, also bisher Wien, Graz und St. Pölten – für die vierte Feier ist nun Linz vorgesehen. Der Preis wird zweijährlich vom Stift Klosterneuburg vergeben, dem Schubert als langjähriger Vorsitzender des dort beheimateten österreichischen Bibelwerkes sehr verbunden war.
DIE PREISTRÄGERINNEN 2016

Die Historikerin Dr.in Irmgard Aschbauer trat 1973 als Bildungsreferentin des Katholischen Akademikerverbandes (KAV) in den Dienst der Diözese Linz. In dieser Funktion war sie Mitinitiatorin der „Begegnung in der Synagoge“, einer Gemeinschaftsveranstaltung mit der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, die sie wie andere Initiativen des christlich-jüdischen Dialogs (z.B. Anne Frank-Ausstellung 1995; KAVÖ-Sommertagung „Nicht du trägst die Wurzel, die Wurzel trägt dich“ 1988; KAVÖ – Reise „Christlich-jüdische Begegnung und Ökumene in Israel“ 1991) (mit)organisierte und inhaltlich (mit)gestaltete. 1989 trat sie als Vertreterin der Katholischen Aktion OÖ in den Vorstand der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM, Zusammenschluss der ehemaligen Häftlinge des KZ Mauthausen und seiner Außenlager, gegr. 1963). Nach dem Ausscheiden der letzten Zeitzeugen übernahm sie 2009 den Vorsitz. Sie wurde Mitbegründerin der Nachfolgeorganisation Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ, gegr. 1997; Träger: Bischofskonferenz der röm.-kath. Kirche, Öst. Gewerkschaftsbund und Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden). Beide Organisationen bemühen sich in vielfältigen Projekten um ein würdiges Gedenken der unzähligen Opfer des menschenverachtenden NS-Regimes, um die Aufarbeitung der historischen Fakten und deren Vermittlung in Erwachsenenbildungs- und Jugendprogrammen und um die Weckung von Widerstand gegen rassistische, nationalistische und andere demokratiegefährdende Tendenzen sowie gegen alle Verletzungen der Menschenrechte.

Mag.a Ruth Steiner entstammt einer Wiener jüdischen Emigrantenfamilie. Sie wurde im Exil Manilas geboren. Nach ihrer Rückkehr fand sie liebe- und geistvolle Aufnahme bei der Katholischen Hochschulgemeinde in Wien unter Karl Strobl und seiner Gruppe junger Intellektueller. Ihr Lebenswerk galt schon früh vornehmlich dem Dialog zwischen Judentum und Christentum, den sie gleichsam leibhaftig verkörpern wollte: „Synagoge und Kirche daheim“ hat sie an ihrem eigenen Leben dargestellt. Mutig setzte sie sich sodann für das „Lichtermeer“ am Heldenplatz ein, jenes denkwürdige Ereignis, das Gelegenheit bot, endlich ein öffentliches Bekenntnis zur Würde aller in Österreich leben den Menschen abzulegen. Bei zahlreichen Bildungsveranstaltungen tritt Ruth Steiner bis heute auf, in vielen Schulen sucht sie Kinder und Jugendliche zu erreichen. Für sie kann es keine kollektive Schuld geben, wohl aber eine gemeinsame Verantwortung und vor allem ein persönliches Gedächtnis: Alle Nachgeborenen müssen sagen können: „Nie wieder!“