Katholischer Akademikerverband gab Empfang zum 60. Geburtstag – Festredner u.a. Bibelwissenschaftler Kirchschläger, Caritas-Präsident Küberl, „Erste“-Bank-Chef Treichl
Wien, 09.01.2013 (KAP) Der 60. Geburtstag von Helmut Schüller war am Dienstagabend Anlass für ein Fest im Großen Festsaal der Wiener Universität. Der „Katholische Akademiker/innenverband“ der Erzdiözese Wien gab einen Empfang zu Ehren ihres geistlichen Assistenten (und Mitgründers der Pfarrer-Initiative), rund 400 Gäste lauschten den Ansprachen von Bibelwissenschaftler Walter Kirchschläger, Caritas-Präsident Franz Küberl, „Erste“-Bank-Chef Andreas Treichl, vom Bruder des Jubilars, ORF-Korrespondent Christian Schüller und der evangelischen Hochschulpfarrerin Gerda Pfandl.
Gekommen waren auch der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl, Ex-Vizekanzler Erhard Busek, Friedensaktivistin Hildegard Goss-Mayr und die Spitzen der Plattform „Wir sind Kirche“ und der „Laieninitiative“.
Der emeritierte Luzerner Neutestamentler Walter Kirchschläger – wie Helmut Schüllers Pfarrer-Initiative mit dem Herbert-Haag-Preis ausgezeichnet – zeigte in seinem Festvortrag die „entkrümmende“ Wirkung der Botschaft Jesu auf. Anhand eines Heilungswunders aus dem Lukasevangelium, bei dem Jesus am Sabbat eine seit 18 Jahren gekrümmte Frau „aufrichtete“, wies der Exeget auf das befreiende Potenzial des Glaubens hin. Auch die Kirche stehe in der Nachfolge Christi immer wieder auf dem Prüfstand, ob sie „krümmt“ oder aber „entkrümmt“, so Kirchschläger. Den Jubilar Helmut Schüller lobte der Bibelwissenschaftler dafür, „die Tugend des aufrechten Ganges in Kirche und Gesellschaft hoffähig zu machen“.
Schüllers Nachfolger als Caritas-Präsident, Franz Küberl, hob dessen Fortführung des Wirkens des legendären Caritas-Chefs Leopold Ungar hervor. Mit einer „dem Gesamtkunstwerk Mensch“ verpflichteten Managementleistung und nicht zuletzt mit klaren Worten beim „Lichtermeer“ gegen Ausländerfeindlichkeit 1993 habe Schüller dazu beigetragen, die Caritas zu einem „Sprachrohr der Wirkmächtigkeit des Evangeliums“ zu machen. „Bleibe fromm und brav!“, so Küberls launiger Abschluss seiner Laudatio – und dies sei zu verstehen als Verbindung von Gläubigkeit und Lebenstüchtigkeit, die Beifall verdiene.
Mit seinem Eintreten für Transparenz treffe Schüller einen Nerv der Zeit – und einen wunden Punkt der Amtskirche, sagte der Banker Andreas Treichl. Beide seien „in Branchen tätig, die schon bessere Zeiten gesehen haben“, an Schüller – der seine Familie seelsorglich betreue – schätze Treichl dessen ungeschminktes Pochen auf Wahrhaftigkeit. „Wenn ich Frust an der Kirche habe, denke ich an ihn, dann bin ich wieder gerne Katholik“, schloss der Vorstandsvorsitzende der „Erste“-Bank.
Der ORF-Journalist Christian Schüller verwies in seiner Ansprache auf die ursprünglich konservative familiäre Prägung seines Bruders. Im Hollabrunner Knabenseminar wurde dieser dann von seinem damaligen Religionslehrer, Hans Hermann Groer, sehr geprägt, der ihn aber gleichzeitig für das Zweite Vatikanische Konzil begeistert habe. Mit jeder neuen Aufgabe, die Helmut übernahm, habe er „Ballast abgeworfen“, sei Schritt für Schritt seinen eigenen Weg gegangen und habe sich von der Familientradition entfernt, die Christian Schüller so beschrieb: „Im Grunde hatten unsere Vorfahren noch ein ungebrochenes Verhältnis zur Obrigkeit.“
Zahlreiche kirchliche Funktionen
Helmut Schüller wurde am 24. Dezember 1952 in Wien geboren. Nach der Priesterweihe 1977 wirkte er als Kaplan, Religionslehrer und später als Diözesanjugendseelsorger in Wien. 1988 folgte er Leopold Ungar als Wiener Caritasdirektor nach und wurde 1991 Präsident der Caritas Österreich. 1995 wurde Schüller Generalvikar der Erzdiözese Wien, 1999 von Kardinal Schönborn wegen „tiefgreifender Meinungsverschiedenheiten“ wieder entlassen. Seither wirkt er u.a. als Hochschulseelsorger und Pfarrer von Probstdorf (Niederösterreich) und ist Vorstandsvorsitzender des Vereins „Fairtrade Österreich“.
Aufmerksamkeit über die Grenzen Österreichs hinaus wurde ihm als Mitgründer und Sprachrohr der Pfarrer-Initiative zuteil, die nach unerfüllten Kirchenreformwünschen 2011 mit einem „Aufruf zum Ungehorsam“ für Schlagzeilen sorgte. Die österreichischen Bischöfe haben seither mehrfach betont, dass man mit den Mitgliedern des Pfarrerinitiative im Gespräch bleiben wolle und diesen auf der Ebene der Diözesen auch führe.
Die Bischöfe zeigen Verständnis für die Sorgen der Pfarrerinitiative, lehnen aber deren Lösungsvorschläge ab, wie dies zuletzt in einem im Oktober von der Bischofskonferenz veröffentlichten gemeinsamen Hirtenwort deutlich gemacht wurde. Gleichzeitig wird von der Pfarreinitiative verlangt, dass das „Kampfwort Ungehorsam“ zurückgenommen wird.