kathpress: Essayist Franz Schuh zu Gast bei Katholischem Akademikerverband: Demokratie braucht echte Alternativen, sonst droht Revolution

Demokratie lebt davon, „dass sie Alternativen anbietet“. Doch das geschieht heute in unzureichendem Ausmaß, so der Wiener Essayist Franz Schuh zur gegenwärtigen Krise dieser Staatsform. Schuh war Gast eines Podiumsgespräches zum Thema „Die Demokratie – noch ein Ideal weniger“, das der Katholische Akademikerverband Österreichs (KAVÖ) am Freitagabend im Wiener Otto-Mauer-Zentrum veranstaltete. Er vermisse das „klassische Spiel“ zwischen Regierung und Opposition, das für die Bürger erkennbare Alternativen bieten müsse, so Schuh. Wenn es keine Alternativen mehr im politischen System gebe, gehe „eine wesentliche Wahlmöglichkeit der Demokratie verloren“.

Den krisengebeutelten Griechen zum Beispiel werde derzeit ausgerichtet: „Ihr müsst sparen, es gibt keine Alternative.“ Aber die Menschen könnten das nicht aushalten, warnte der Autor. Wenn die Logik eines Systems etwas gebiete, was die Menschen nicht ertragen können, drohten Aufruhr und Revolution.

Den heute beobachtbaren Populismus brachte Schuh mit den sogenannten „Modernisierungsverlierern“ in Zusammenhang. Jenseits der zivilisierten Ideale bilde sich eine Art Parallelgesellschaft, die populistisch bedient werde – durch bestimmte Politiker und auch Medienleute, die mit latenter Unzufriedenheit antidemokratische Politik machen. Das Bedürfnis von Randgruppen sei es, „in die Mitte“ zu kommen und Anteil an der Macht zu bekommen.

Der Essayist warnte vor einer Idealisierung der Demokratie. Schon in der Antike habe die Volksherrschaft „die Chose in den Sand gesetzt“. Schuh beschrieb demokratische Strukturen illusionslos: Es herrsche die Regierung, und es gebe „Verfahren, eine Regierung an die Macht zu bringen.“ Es gehe darum, dass „die Regierung so wenig Unsinn wie möglich macht“ und ohne Blutvergießen ablösbar sei.

Nach Schuhs Einschätzung waren die großen politischen Ideologien des 20. Jahrhunderts immer auch „politische Religionen“. Alle seien mit religiöser Symbolik „aufgeladen“ gewesen und geprägt von Vorstellungen über das „realisierbare Absolute“. Gefährlich seien politische Konstellationen, wenn Menschen, die die Immanenz gepachtet zu haben meinen, auf jene treffen, die glauben, sie verstünden als einzige, wie man hinter weltliche Erfahrungen blicken könne.

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