Vortrag von RALF HOFFROGGE
Dienstag, 27. Mai, 18:30 Uhr (!)
Otto-Mauer-Zentrum
In Kooperation mit dem Forum Weltreligionen
Näheres hier
Werner Scholem (1895-1940) und sein Bruder Gershom (1897-1982) standen sich in jungen Jahren sehr nahe. Beide begehrten auf gegen den autoritären Vater, die Leere seiner im Grunde protestantischen Arbeitsethik. Beide rebellierten gegen den Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft. Werner brachte seinem Bruder mit der Gruppe „Jung Juda“ den Zionismus nahe, doch wandte sich selbst bald ab von dieser Idee und schloss sich der der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ an. Als Soldaten wider Willen in den Jahren 1916-1918 kamen sich beide noch einmal sehr nahe, in ihren Briefen diskutierten sie Judenstaat und Revolution, Theokratie und Philosophie.
Erst in den 1920er Jahren gingen sie getrennte Wege – Gershom bekannte sich zum Zionismus und wurde in Jerusalem zum bekanntesten Religionshistoriker des Judentums. Werner hingegen stieg auf zum Organisationsleiter der KPD, bis er sich mit Stalin und Thälmann überwarf und all seiner Ämter enthoben wurde. Er wurde 1933 verhaftet und im Sommer 1940 im KZ Buchenwald ermordet.
Obwohl beide Brüder sich zwischenzeitlich wenig zu sagen hatten, zeugen ihre Lebensentwürfe von einer Suche nach Befreiung, die in der Zusammenschau sichtbar wird.
Dr. Ralf Hoffrogge ist assoziierter Wissenschaftler am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und an der Ruhr-Universität Bochum, Historiker und Autor von “Werner Scholem – eine politische Biographie” (UVK, Konstanz 2014)