Krätzl, Küberl, Busek, Stoisits feiern Schüller

Krätzl, Küberl, Busek, Stoisits feiern Schüller

09.01.2013 | 18:15 |  GEORG RENNER (Die Presse)

Helmut Schüller, Gründer der ungehorsamen „Pfarrerinitiative“, wurde 60. Die katholischen Akademiker ehrten ihn mit einem Festvortrag – vor prominenten Weggefährten.

Wien. „Haben Sie sich angemeldet?“ Eine Frage, die am Eingang zum Großen Festsaal der Universität Wien eher selten zu hören ist. Der Saal, bei Sponsionsfeiern und anderen akademischen Ehrungen regelmäßig gut ge-, aber selten überfüllt, erwies sich am Dienstagabend ob ungeahnten Besucheransturms als zu klein, sodass der Eingang schließlich vom Sicherheitsdienst reglementiert werden musste.

Der Grund dafür dürfte weniger in dem Festvortrag „Entkrümmung – die Folge der Botschaft Jesu“ des Schweizer Theologen (und Sohn des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten) Walter Kirchschläger gelegen haben als in der Person des Geehrten: Helmut Schüller, Priester von Probstdorf und Gründer der in der Kirche höchst umstrittenen „Pfarrerinitiative“, die unter anderem die Zulassung von Frauen als Priester, die Aufhebung des Zölibats sowie die von Laien zelebrierte Eucharistie fordert, ist am 24.Dezember 60 geworden. Der Katholische Akademikerverband, dem Schüller als Geistlicher Assistent zur Seite steht, lud zu dem Empfang unter dem Titel „Sein unruhiges Herz“. Ein Wortlaut, der durchaus die Interpretation zulässt, dass die zahlreichen prominenten Gäste gekommen waren, um Schüller in seinem Kampf für Kirchenreformen – der „Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrerinitiative wurde 2012 sogar von Papst Benedikt kritisiert – den Rücken zu stärken.

Eingefunden hatten sich Vertreter der Kirche – wie Helmut Krätzl, emeritierter Wiener Weihbischof, und Schüllers Nachfolger als Caritas-Präsident, Franz Küberl –, der Wirtschaft – Erste-Chef Andreas Treichl und Waldviertler-Gründer Heini Staudinger – und Politik – Ex-ÖVP-Chef Erhard Busek sowie die Grüne Volksanwältin Terezija Stoisits.

Auch Kirchschläger ließ sich in seinem Vortrag eine Anspielung auf Schüllers Tätigkeit nicht nehmen: „Ich überlasse es Ihrer Fantasie, die Metapher des gekrümmten Rückens (der durch die Botschaft Jesu aufgerichtet werde, Anm.) auf konkrete Fallbeispiele zu applizieren“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2013)

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